Die Geschichte des Korsetts ist lang.
Es war einmal… bis heute ein Kleidungsstück, das wir aus dem 16. Jahrhundert von Ölgemälden her kennen. Das Korsett hat den Oberkörper ganz eng umschlossen. Damals steif, heute deutlich angenehmer zu tragen. Die wohl bekannteste Korsettträgerin ist Eleonore di Toledo (1540-1562), Herzogin von Florence, gewesen. Ihr Korsett fand man in ihrer Gruft. Damals konnten sich nur Damen aus den höheren Kreisen dieses Kleidungsstück leisten. Meist trugen Sie es zu gesellschaftlichen Veranstaltungen. Das damalige Korsett ist mit dem heutigen vom Sitz und der Bequemlichkeit nicht zu vergleichen. Früher war es steif, drückte die Brüste flach (was zu damaliger Zeit “in” war), war kegelförmig und mit Fischbein (den Barten des Wals) versteift. Jedes Jahrhundert hat was zu dem heutigen Korsett beigetragen…
Fangen wir mit der Barockzeit an. Um 1575-1770 wurden die Brüste durch die kürzeren Schnitte der Korsetts gestützt. Das Hinterteil der Damenwelt wurde mehr hervorgehoben und die Taille wirkte sehr schmal. Von Land zu Land waren damals die Schnürungen ebenfalls sehr unterschiedlich. In Frankreich schnürte man den fraulichen Oberkörper hinten und vorne sehr stramm, in England hingegen schnürte man nicht all zu fest und auch nur hinten.
Im 18. Jahrhundert wurde das Korsett für die Frauen leichter, verspielter und runder UND jede Gesellschaftsschicht konnte sich eines leisten oder zumindest ein Schnürmieder. Das war zwar nicht mit Fischbeinstäbchen verstärkt, kam in seiner Funktion der eines Korsetts gleich. Die Mieder wurden vorne geschnürt, was die Trägerin also gut selbst an- und ablegen konnte. Frankreich verlor das Interesse an diesem Kleidungsstück und England versuchte sich an allen Taillen, auch der der Männer. Denn wenn eine schmale Taille bei Frauen optisch einen grösseren Busen erzielte, musste dieses doch ebenfalls mit den Herren der Schöpfung gehen. Nicht die Brust, nein, aber die Schultern wurden optisch betont. Die Unterbrust- und Taillenkorsetts für Männer sind heute noch erhältlich - schaut hier.
Das 19. und 20. Jahrhundert brachten dann die letzten Änderungen des Korsetts, wie wir es heute noch kennen. Verschlusstechniken wie Elfenbeinösen (sehr zerbrechlich) wurden gegen Metallösen ausgetauscht. Die Schnürung flutscht besser. Federstahl, Horn oder Stahlspiralen ersetzten das 200 Jahre lang bewährte Fischbein. Die Nachfrage wurde grösser, die Produktionskosten niedriger. Jede und Jeder konnte sich zu einem angemessenen Preis ein Korsett leisten. Zwischen den Jahren 1840 und 1870 kam die uns heute noch bekannte Standuhrform auf den Markt. Die Taille wird besonders schmal geformt, was die Brüste propper und die Hüfte üppiger wirken lässt. Da sich nun durch das Schnüren allein nicht alles verdrängen lässt, wurde sehr bald das Mieder nach unten hin länger. Das bedeutete, dass die Frauen mit kleinen (mehreren) Röllchen am Bauch, diese gut verstecken konnten. Die Wespentaille, wir kennen sie alle. Eine ganz extreme Form, die in der Fetischszene heute nicht mehr wegzudenken ist. Sie wurde in den 1890er Jahren den Damen auf den Leib geschneidert. Und nicht nur diese. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sorgte die S-Form für ein extremes Herausstehen der Brüste. Der Bauch wurde nach hinten gedrückt. Das Tragen des Korsetts, so hiess es, sei sehr gesundheitsschädlich und verschwand letztendlich aufgrund der folgenden Frauenbewegung und des ersten Weltkrieges vom Markt.
Und Heute? Dank Madonna und J.P. Gaultier ist es seit den 90er Jahren wieder gesellschaftsfähig und in jedem Schrank unter dem Namen “Korsett” oder (fälschlicherweise auch “Corsage”) zu finden und ist in seiner Form und Funktion sehr vielfältig. In der Fetisch- oder Gothic-Szene ist es schon fast ein MUSS. Es wird sogar teilweise über der Kleidung getragen. Dieser Look ist ein zeitloser Trend und in Lack, Leder, Samt, Satin oder Seide zu bekommen. Die Neugierde beim Träger (männlich oder weiblich) und beim Betrachter wird immer wieder geweckt. Frauliche Rundungen richtig in Szene zu setzen ohne Schmerzen und hohe Kosten, ist möglich dank der vielen Reisen des Korsetts durch all die Jahrhunderte.
Jedes Korsett für den richtigen Auftritt ![]()
Das Vollbrustkorsett für ein fantastisches Dekolléte.
Das Halbbrustkorsett, dass so eben die Brustwarzen bedeckt.
Das Unterbrustkorsett, dass unter der Brust beginnt oder das Taillenkorsett, das zum engen Schnüren der Taille gedacht ist.
Diverse Korsetts, um den weiblichen und männlichen Körper zu modellieren, findet ihr hier: Klick mich.




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